Korrektur: Die Zahlen aus dem NDR-Beitrag vom 25.6.2026 sind falsch interpretiert worden. Wir bitten dies zu entschuldigen und korrigieren unsere gestrige Pressemitteilung daher wie folgt:
Dr. Christoph Rabbow, Vorsitzender des Philologenverbandes Niedersachsen, zu der drastisch gestiegenen Zahl von Schulabbrechern:
„Im Sommer 2025 verließen laut Ministerium 9,5 Prozent der Schülerinnen und Schüler die allgemeinbildenden Schulen mit weniger als einem Hauptschulabschluss. Im Jahr zuvor lag die Quote noch bei 8,7 Prozent, vor zehn Jahren bei 5,4 Prozent.
Dies ist ein Alarmsignal. Die Kultusministerin benennt im NDR zwar Defizite in Deutsch und Mathematik sowie die Folgen der Corona-Pandemie als Ursachen, verweist aber dann darauf, dass es sich um bundesweite Herausforderungen handele. Bildungspolitik ist Ländersache und Rot-Grün setzt lieber 800 Millionen für Tablets ab Klasse 7 ein, als den Fokus auf die grundlegenden Hintergründe dieser Entwicklungen zu richten.
Natürlich sind insbesondere nach Corona die Auffälligkeiten bei der mentalen Gesundheit in den Schulen gestiegen und die Forderungen nach mehr Schulsozialarbeit und mehr Schulpsychologen unterstützen wir ausdrücklich. Wenn aber Schülerinnen und Schülern das grundlegende Handwerkszeug fehlt, um im Unterricht zu bestehen, ist die Zahl der Schulabbrecher kaum verwunderlich. Wir fordern daher ein Gesamtpaket von Maßnahmen:
- In allen Jahrgängen eine zusätzliche Klassenlehrerstunde, in der Probleme mit der Klasse erörtert werden können.
- Deutsch als Bildungssprache: Defizite in Wort und Schrift durch individuelle Sprachförderung frühzeitig abbauen
- Mathematik als Kernfach: Frühzeitig die Lücken in der Arithmetik und Algebra (Klasse 5 – 8) diagnostizieren und schließen
- Pro 500 Schülerinnen und Schüler eine Stelle in der Schulsozialarbeit
- Pro 1000 Schülerinnen und Schüler einen Schulpsychologen (kleinere Systeme teilen sich einen Schulpsychologen)
- Angebote für Fortbildungen für mentale Gesundheit erhöhen
- Grundlagen zu Problemen aus der Jugendpsychiatrie in die Lehrerbildung integrieren (Schulangst, Schulphobie, Anorexie, Bulimie, Ritzen …)“
Wenn man Bildungsgerechtigkeit ernst nimmt und nicht nur darüber spricht, darf man diese nicht klein reden. Nicht nur vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung muss der Trend endlich umgekehrt werden. Wir können es uns nicht leisten, dass fast jeder 10. Schüler in Niedersachsen die Schule ohne mindestens einen Hauptschulabschluss verlässt.“