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75 Jahre Philologenverband Niedersachsen: Verantwortung für Generationen

by hermelingmeier

Der Philologenverband Niedersachsen hat am 30. November 2022 sein 75-jähriges Bestehen im Rahmen seines traditionellen Philologentages in Goslar gefeiert. Mit über 300 Delegierten aus ganz Niedersachsen sowie Gästen aus Politik, Verbänden und Gesellschaft wurde die bewegte Geschichte des Verbandes betrachtet, aber auch ein deutlicher Blick Richtung Zukunft gerichtet.

Der Vorsitzende, Dr. Christoph Rabbow, betonte, dass 75 Jahre Philologenverband eine Erfolgsgeschichte für den Einsatz und Erhalt gymnasialer Bildung in Niedersachsen waren. „Es war und ist ein originäres Anliegen unseres Verbandes, dass der in Deutschland höchste zu erlangende Schulabschluss anspruchsvoll ist und bleibt und die Befähigung zu einem Hochschulstudium nach wie vor rechtfertigt. Dass der Wert des Abiturs nicht durch ständiges Justieren an Bildungsplänen oder curricularen Vorgaben abgesenkt wird, verstehen wir als unseren Auftrag“, so Rabbow. Deshalb fordere der PHVN seit Jahren vergleichbare, transparente bundesweite Regelungen für die Einführungs- und Qualifikationsphase genauso wie für die Abiturprüfungen. „Ein bundesweites Herunterschrauben der Niveaus ist mit uns nicht zu machen. Niedersachsens Abitur ist anspruchsvoll. So soll es unter der Verantwortung von Philologinnen und Philologen auch bleiben. Bildungsstandards stellen für uns das Minimum von Bildung und nicht das Maximum dar“, stellte Rabbow klar.

Klare Worte richtete er an den Staatssekretär im Kultusministerium, Marco Hartrich, der in Vertretung von Kultusministerin Hamburg, den Philologentag besuchte: „Das Unterlaufen von gymnasialer Bildung beginnt mit der Idee, einen Einheits- oder Stufenlehrer einführen zu wollen. Wer meint, mit einer stufenbezogenen Ausbildung mehr Lehrkräfte gewinnen und so den Mangel an Lehrkräften auflösen zu können, der irrt sich gewaltig“, betonte der Vorsitzende. „Elende Schulstrukturdebatten helfen nicht weiter. Sie ist kontraproduktiv und beheben den Lehrkräftemangel nicht. Was wirklich notwendig ist, ist eine Lehrkräftegewinnung, die die Unterrichtsversorgung im Land langfristig sichert.“  Der gemeinsame Austausch mit dem Kultusministerium werde in guter Tradition fortgesetzt und es werde ein intensives Ringen um den besten bildungspolitischen Weg geben. „Wir bieten Ihnen unsere Expertise an, greifen Sie gerne darauf zurück“, so Rabbow.

75 Jahre Philologenverband bedeute fünf Lehrergenerationen, die für ebenso viele Generationen von Schülerinnen und Schülern Verantwortung übernommen haben. „Beständigkeit und Verlässlichkeit sind Werte, die etwas mit Verantwortung zu tun haben. Wir laufen nicht weg, wenn es brennt. Wir sind da, wenn man uns braucht und das seit einem Drei-Viertel-Jahrhundert. Wir wissen, wo wir als Philologen stehen, wo wir verortet sind. Die Vermittlung gymnasialer Bildung durch wissenschaftspropädeutischen Unterricht ist unsere Leitidee“, so Rabbow.

Mit Blick auf den rot-grünen Koalitionsvertrag fand der Verbandsvorsitzende deutliche Worte zur Lehrerbesoldung: „A 13 für alle“ bedeute Aufwendungen an Steuergeldern im dreistelligen Millionenbereich, ohne dass eine einzige zusätzliche Lehrkraft eingestellt oder eine zusätzliche Stunde mehr unterrichtet würden. „A13 für alle Lehrkräfte ist keine Lösung des akuten und mittelfristigen Lehrermangels und auch keine notwendige Attraktivitätssteigerung des Lehrberufs.“ Was den Beruf tatsächlich attraktiv machen würde, wären Investitionen in zusätzliche Unterstützungskräfte und Entlastungsmaßnahmen für die vorhandenen Lehrkräfte. Dabei gehe es um Gerechtigkeit und Respekt.   „Es darf nicht sein, dass Gymnasiallehrkräfte von allen Lehrkräften nachweislich die höchsten Wochenarbeitszeiten haben und dann so besoldet werden, wie alle anderen. 10% Mehrarbeit bei gleicher Bezahlung ist nicht gerecht, das ist Ausbeutung von ,Lehrkraft‘.“

Es gelte die Feststellung: „Wer „A13 für alle“ sage, müsse auch „Belastungsgerechtigkeit für alle“ herstellen. „Wir neiden niemand eine bessere Bezahlung, aber wir erwarten bei gleicher Bezahlung selbstverständlich auch gleiche Wochenarbeitszeiten, nur das ist gerecht und würde Respekt vor unserer täglichen Arbeit zeigen“, so Rabbow. Ein Belastungsausgleich ließe sich in drei Punkten leicht umsetzen, daher fordere der Verband: Erstens Minusstunden nach dem Abitur werden nicht mehr gezählt, zweitens die Senkung des Stundendeputats um 1,5 Wochenstunden (Leistungskurse mit jeweils einer Anrechnungsstunde, Grundkurse mit jeweils einer halben Anrechnungsstunde entlasten) werde umgesetzt und drittens zwei längst zugesagte Anrechnungsstunden für Koordinatoren werden endlich gewährt.

In einem spannenden Vortrag erläuterte Generationenforscher und Bestsellerautor, Rüdiger Maas, wie die kommende Generation Alpha geprägt sei und was dies für die Schulen bedeute. Es sei wichtig, auf die geänderten Lebenswirklichkeiten der kommenden Generationen zu reagieren, dies müsse sich auch in der Schulwirklichkeit spiegeln.

Goslar, 30.11.2022

 

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