„Die Flut an Desinformationen – eine Gefahr für unsere Demokratie?“
Die Menschen in Deutschland sind besorgt über absichtlich verbreitete Falschinformationen im Netz. Sie befürchten, dass damit die politische Meinung sowie Wahlen beeinflusst werden sollen. Für 84 Prozent der Menschen in Deutschland stellen vorsätzlich verbreitete Falschinformationen im Internet ein großes oder sogar sehr großes Problem für unsere Gesellschaft dar.
Dieser Herausforderung müssen sich Politik, Zivilgesellschaft und Medien stellen. Auch der Unterricht in den Schulen muss sich dieser Herausforderung widmen. Ein Blick über den großen Teich, in die Vereinigten Staaten von Amerika, zeigt, dass eine starke Polarisierung in der Wählerschaft die Wahrnehmung der Desinformation (Fakes) beeinflusst. Dies zeigt eine Auswertung der Studie „Verunsicherte Öffentlichkeit“ Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2024.
Während in Deutschland 81 Prozent Desinformation als ein reales Problem, das eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie darstellen, sehen, bejahen dies nur zwei von Drei Amerikanern. Dass „Desinformation“ nur ein Begriff ist, der genutzt wird, um „alternative Meinungen schlechtzumachen“ und damit als unglaubwürdig darzustellen, glauben in Deutschland nur 13 Prozent, In den USA sind es mit 25 Prozent fast doppelt so viele der Befragten.
Auch wenn vielen Menschen durchaus bewusst ist, dass Desinformation, Fakes und Deepfakes eine Gefahr für die demokratische Grundordnung darstellen, Wahlen damit beeinflusst und das Vertrauen in Politik, Parteien und Medien untergraben werden, scheinen Lösungen im Umgang mit diesem Problem nicht einfach zu sein. Muss man unsere liberale Demokratie schützen, wenn wir 2030 in Deutschland keine amerikanischen Verhältnisse haben wollen?
Mehr als die Hälfte der Deutschen meint, dem Thema „Desinformation“ würde zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dass die Urheber von Fakes die politische Meinung in der Bevölkerung beeinflussen wollen, sagen über 90 Prozent der Befragten. Ähnlich hoch sind die Werte für die Beeinflussung des Wahlausgangs (86 Prozent) und die Spaltung der Gesellschaft (84 Prozent). Dass die Befragten Desinformation am häufigsten im Zusammenhang mit kontroversen Themen, wie Einwanderung, Gesundheit, Krieg und Klimakrise, wahrnehmen, ist mit Blick auf die genannten Zahlen wenig verwunderlich.
„Wenn die Stimmung kippt: (Deep)Fakes bestimmen Meinungen“.
Deepfakes sind Bilder, Audios oder Videos, die mithilfe von künstlicher Intelligenz täuschend echt erzeugt oder verfälscht werden. Der 2017 geprägte Begriff „Deepfake“ setzt sich aus „Deep Learning“ und „Fake“ zusammen. Deepfakes sorgen vielfach für große Verunsicherung. Das zeigte eine repräsentative Studie des Digitalverbands Bitkom von 2023: Acht von zehn Personen erkennen Deepfakes nicht, bei 70 Prozent führen Deepfakes zum Vertrauensverlust und 44 Prozent sind schon einmal darauf reingefallen. Die Entlarvung von Deepfakes im Internet, die nicht als solche gekennzeichnet waren, gelang lediglich zwei Prozent der Befragten. Verständlich, dass sich 84 Prozent für eine Kennzeichnungspflicht von Deepfakes aussprechen, während 60 Prozent sie sogar ganz verbieten wollen.
Während 63 Prozent angeben, dass Deepfakes ihnen Angst machen, führt die Verunsicherung bei 60 Prozent der Befragten zur Aussage, Deepfakes seien eine Gefahr für die Demokratie. 55 Prozent sehen hingegen auch positive Einsatzmöglichkeiten von Deepfakes, vor allem in künstlerischer Hinsicht.
Die Veränderung der Wahrnehmung durch „gefakte“ Bilder ist dabei gar kein neues Phänomen. Van Meer oder Da Vinci ließen Personen auf Bildern genauso aussehen wie sie es wollten, um damit eine entsprechende Wirkung beim Betrachter zu erzielen. Seien es die völlig unterschiedlichen Blicke des „Mädchen mit dem Perlenohrring“ oder der „Mona Lisa“, die die Betrachtenden in ihren Bann ziehen. Künstler hinterlassen immer ihre ganz eigene Marke in der Malerei. Die Retusche ist so alt wie die Fotografie. Ließ früher noch eine teure Software so manchen Kanzlerkandidaten jung und faltenfrei aussehen, macht dies heute mit wenigen Klicks ohne Vorkenntnisse die künstliche Intelligenz. Ein Bewusstsein für dieses Phänomen zu schaffen und Menschen dafür zu sensibilisieren, ist heute also wichtiger denn je. Auch dies ist eine Aufgabe von Schule und von Unterricht. Das kann im Kunstunterricht genauso wie im Politik-, Informatik- oder Religionsunterricht geschehen. Medienkompetenz ist eine Querschnittsaufgabe.
Zwei Themen – ein Ziel: Der Niedersächsische Lehrkräftepreis 2026
Die Zahlen aus den Studien zur Desinformation und zu Deepfakes zeigen, dass wir handeln müssen. Wie das in Schule und Unterricht gelingen kann, sollen uns gute Projekte, durchdachte Unterrichtseinheiten, schulische Vorhaben, schriftliche Arbeiten in Studienseminaren vor Augen führen. Daher wird der Niedersächsische Lehrkräftepreis 2026 für die besten drei Unterrichtskonzepte rund um die Themen „Die Flut an Desinformationen – eine Gefahr für unsere Demokratie?“ oder „(Deep)Fakes bestimmen Meinungen“.
Wir sind sehr gespannt, welche Unterrichtskonzepte es dazu in die Auswahl schaffen. Die eingereichten Unterrichtsvorhaben werden von einer fachkompetenten Jury gesichtet, die dann aus den Vorschlägen drei Preisträger ausgewählt. Die Preise werden auf dem Philologentag 2026 vergeben.
Knappe bündige Vorgabe des Konzepts
Beschreibung des didaktisch-methodischen Konzeptes, Beschreibung des Unterrichtsverlaufs in tabellarischer Form und Reflexion/Evaluation des Unterrichts ist in digitaler Form (PDF-Datei, Vorgabe < 10 Seiten, Schriftart ARIAL 11, anderthalbzeiliger Abstand) einzureichen
In den Anhang können Materialien, z. B. Videomitschnitte, verwendete Programme, Fotos aus dem Unterricht, Versuchsanordnungen ggf. mit Gefährdungsbeurteilung, Medien und Methoden.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Mitglieder des Hauptvorstandes des PHVN sind nicht teilnahmeberechtigt.
Die Voraussetzungen für die diesjährige Teilnahme sind:
Das Unterrichtskonzept muss sich mit den Themen „Die Flut an Desinformationen – eine Gefahr für unsere Demokratie?“ oder „(Deep)Fakes bestimmen Meinungen“ befassen.
Das Konzept soll ein bereits durchgeführtes Unterrichtsvorhaben an einer niedersächsischen Schule, die zum Bildungsabschluss der allgemeinen Hochschulreife führt, beschreiben. Gymnasien und Gesamtschulen im Aufbau oder Sekundarstufen-I-Gymnasien sind ebenfalls teilnahmeberechtigt.
Das Konzept sollte in diesem oder dem letzten Schuljahr verwirklicht worden sein. Es kann auch im Rahmen der schriftlichen Arbeit in einem Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien geplant, realisiert und evaluiert worden sein.
Wünschenswert sind regionale Bezüge, sie sind aber nicht zwingend.
Bewerbungsfrist für den Niedersächsischen Lehrkräftepreis bis zum 31.07.2026
Die offizielle Preisverleihung erfolgt auf dem Philologentag 2026.




